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On the way home! - Von Buenos Aires mit dem Frachtschiff nach Europa
(30.4.2004-25.5.2004)

   

Am 30.4.2004 war es soweit: Um 9.00 in der Früh fuhren wir zum Hafen von Buenos Aires, der zum Glück nur 5 Minuten von unserem Hotel weg war. Die Zollformalitäten waren, entgegen allen Erwartungen, in 10 Minuten erledigt, da wir ja nur Handgepäck hatten, dh Suzi inklusive Inhalt:-)!

Und dann standen wir auch schon mit großen Augen vor der Repubblica Argentina der italienischen Reederei Grimaldi. Dieses Schiff ist so groß wie ein Wohnblock, 209m lang, fast 50m hoch, 34m breit und wiegt vollbeladen 54.000 Tonnen(!).

Da Leute mit großen Augen und offenem Mund nur Passagiere sein können, wurden wir vom ersten Offizier gleich als solche erkannt. Uns wurde sofort unser Parkplatz auf Deck 4 zugewiesen und ein paar Minuten später wurden wir schon vom Steward in unsere Kabine geführt.
Irgendwie hatten wir schon die schlimmsten Befürchtungen von wegen Frachtschiff (zB Martin Kohlen schaufeln, Edith Erdäpfeln schälen), aber die wurden schnell zerstreut.

Unsere Kabine war groß, neu und komfortabel, die Offiziersmesse, in der wir immer gespeist haben, gemütlich, das Deck zum sonnen und joggen sehr weitläufig. Aber das Beste war das Essen: nach dem Frühstück tischte der italienische Koch uns (und der Crew) ein viergängiges Menu auf und am Abend gabs jeden Tag ein fünfgängiges Dinner vom Feinsten. Unser Hauptproblem war eigentlich immer, wie man die Portionen, die man bekommt, immer möglichst klein hält, ansonsten wären wir geplatzt:-)!


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Die Repubblica Argentina ist
größer als ein Wohnblock
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Unser schwimmender "Wohnblock"
von vorne aus gesehen
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Suzis Platz war auf Deck 4, eingekeilt zwischen LkWs aus Brasilien für Europa


Abschied von Buenos Aires

Nur fünf Stunden nachdem wir an Bord gegangen waren, liefen wir am 30.4. Nachmittag aus dem Hafen von Buenos Aires aus. Wir haben uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet, einerseits haben wir uns schon sehr auf zuhause gefreut, andererseits haben wir unsere Reise echt genossen und sehr viele schöne Dinge gesehen und erlebt.
Buenos Aires hat uns außerdem echt gut gefallen, vor allem die dicken, saftigen Steaks werden wir vermissen. Aber ein Monat (auf See) hatten wir ja noch Schonzeit, bis wir wieder in die "Realität" entlassen wurden.


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Ein letztes Foto zum Abschied
beim Auslaufen (schnief!!)


Ein Monat auf See

Unsere Reise mit der Repubblica Argentina führte von Buenos Aires über Montevideo (Uruguay), Rio Grande, Paranagua, Rio de Janeiro, Santos (alles Brasilien), Dakar (Senegal), Tilbury (UK) nach Hamburg.

Für uns Landratten war es eine komplett neue Erfahrung das Leben auf einem Frachtschiff ein Monat lang hautnah mitzubekommen. Unsere Tage an Bord haben wir hauptsächlich mit Lesen, Sporteln, Essen, auf dem ganzen Schiff herumlaufen und alles anschauen verbracht. Wir waren weiters fast jeden Tag auf der Brücke und haben die Schichten der einzelnen Offiziere mitgemacht.


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Unser Kabine war echt gemütlich


Montevideo, Rio Grande, Paranagua

Nach nur etwas mehr als 10 Stunden Fahrt über den Rio de la Plata (Rio=Fluß ist hier etwas untertrieben, denn diese Flußmündung könnte es fast mit dem Amazonas aufnehmen), liefen wir in der Nacht gleich in den nächsten Hafen Montevideo, der Hauptstadt Uruguays, ein. Da Uruguay für uns nicht wirklich etwas Interessantes zu bieten hatte, sind wir an Bord geblieben.
In Rio Grande hatten wir auch keine Motivation für einen Landgang, in Paranagua waren wir nur im Supermarkt unsere Schokolade- und Getränkevorräte auffüllen.


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Nicht alle Kapitäne haben ihr Schiff im Griff (siehe Hintergrund; im Hafen von Montevideo)


Rio de Janeiro

Auf Rio de Janeiro hatten wir uns schon sehr gefreut. Noch mehr freuten wir uns, als wir hörten, daß wir am 5.5. schon in der Früh in Rio einlaufen würden. Allerdings machte uns der Hafen einen Strich durch die Rechnung: kurz vor der Einfahrt in die Bucht von Rio de Janeiro, wurde das Schiff angewiesen zu ankern, um auf einen freien Platz am Pier zu warten.
Wir waren schon bereit an Land zu gehen, darum waren wir etwas enttäuscht, als wir erst bei Einbruch der Dunkelheit schließlich in den Hafen einliefen. Da Rio de Janeiro bei Nacht nicht gerade die sicherste Stadt ist, haben wir uns dann entschlossen nicht an Land zu gehen.

Am darauffolgenden Morgen ist die Repubblica Argentina bereits wieder um 5 Uhr ausgelaufen. Daher hat sich unser Rio de Janeiro Erlebnis auf eine Hafenrundfahrt mit Blick auf Rio bei Nacht beschränkt, was allerdings auch sehr schön war. Aber dafür gibts einen Grund mehr nach Südamerika zurück zu kommen:-).

Nach Rio de Janeiro steuerte die Repubblica Argentina noch den Hafen von Santos (Sao Paulo) an, einer recht netten Stadt mit vielen Hotels, Restaurants und schönen Sandstränden. Leider war das Wetter zu regnerisch und die Zeit zu kurz, um Santos richtig auskosten zu können.


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Unser Blick auf Rio de Janeiro bei Nacht


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Südamerika verabschiedete sich von uns mit einem wunderschönen Sonnenuntergang


Mitten am Atlantik

Unsere Altlantiküberquerung von Brasilien nach Senegal dauerte etwas mehr als 6 Tage. Da es in dieser Zeit logischerweise keine Landgänge gab, war es an der Zeit, unsere Repubblica Argentina genauer zu erkunden.

Jedem technisch begeisterten Menschen schlägt schon bei den Eckdaten das Herz höher: 54.000 Tonnen Stahl, die turbo-aufgeladene Hauptmaschine leistet über 24.000 PS(!!) für eine maximale Geschwindigkeit von 22 Knoten (ca. 40 km/h)!!
Bei der Erkundung des Maschinenraums wurde uns so wirklich bewußt, daß ein Job auf einem Frachtschiff kein "Zuckerschlecken" ist. Ohrenbetäubender Lärm, eine Temperatur von 50 Grad und ölige Luft.
Die Hauptmaschine geht über 4 Decks. In allen Ebenen spürt man sehr eindrucksvoll, wie sich die Kolben neben einem auf und ab bewegen. Der Tank der Repubblica Argentina hat ein Volumen von 2300 Tonnen Schweröl, der tägliche Verbrauch beträgt 70 Tonnen Schweröl und eine halbe Tonne Motoröl. Das ist Maschinenbau in seiner eindruckvollsten Form!

Während dieser Zeit war Martin fast immer auf der Brücke zu finden, mit den Offizieren nach Schiffen Ausschau halten oder das Radar bedienen. Edith "schmorte" inzwischen in der Sonne mit ihrer mitgebrachten Bibliothek:-)!


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Die Brücke der Repubblica Argentina


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Der Zylinderkopf der Hauptmaschine mit den armdicken Kraftstoff-Einspritzleitungen


Der Gegensatz - Dakar

Unser erster Eindruck vom Senegal war eine Schlange von Beamten, die mit großen Taschen auf die Repubblica Argentina strömen, um ihre "Geschenke" abzuholen (Zigaretten, Spirituosen und unser altbekanntes Coca-Cola). Unser kurzer Landgang konnte uns nicht wirklich begeistern. Dakar ist kulturell sicher sehr interessant, allerdings war uns das Chaos auf der Marktstraße bald zuviel und wir flüchteten wieder auf unser gemütliches Schiffchen.
Vor uns lagen nun wieder 7 Tage durchgehend auf See, Richtung Europa, zum Port of London.


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Nettes, kleines Inselchen vor Dakar


Erster Kontakt mit Europa- London

An dieser Stelle unserer Reise kehrten wir in die sogenannte "europäische Zivilisation" zurück. Ein Tag London vermittelte uns, trotz englischen Flairs und toller Sehenswürdigkeiten, irgendwie das Gefühl fehl am Platz zu sein.
Vielleicht waren es auch die Touristenhorden, die sich an diesem Wochenende durch London wälzten, die wir, nach 10 Monaten relativer Einsamkeit in Lateinamerika, einfach nicht mehr gewöhnt waren.
Aber die Freude auf zuhause ließ uns dieses "Unwohlsein" schnell vergessen!


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Houses of Parliament in der Londoner City


Ankunft in Hamburg

Den letzten Tag auf See werden wir sicher nicht so schnell vergessen: Erstens war der Moment des Endes unserer Reise gekommen (schnief!) und zweitens zeigte sich die Nordsee von ihrer stürmischen Seite. Eigentlich hatten wir befürchtet, mitten am Antlantik in einen Sturm zu kommen, aber diese Überraschung blühte uns schließlich erst auf der Nordsee.
Nachdem wir in der Nacht von einer Kabinenwand zur anderen gerollt sind, liefen wir am 23.Mai um 5 Uhr früh im Hafen von Hamburg ein.
Aber die Zeit des Abschieds war noch nicht gekommen: da unser Suzi hinter nagelneuen LKWs und Containern eingeschlossen war, konnten wir erst am 24.5. in der Früh von Bord gehen. Diesen Zusatztag nutzten wir gleich um eine Sightseeing-Tour durch Hamburg zu machen.

Am 24.5 in der Früh war es dann schließlich so weit: wir fuhren mit Suzi über die Laderampe, nach 10 Monaten wieder auf europäischen Boden. Wir wollten gleich Richtung Österreich losbrausen, da machte uns der deutsche Zoll einen Strich durch die Rechnung. Gut informiert, wie die deutschen Behörden nun mal sind, wurden wir gleich vor dem Schiff aufgelauert und als die Beamten die Stempel in unseren Pässen sahen, wars klar: alles ausräumen!

Da wir damit schon gerechnet hatten und wußten, daß die Zollbeamten auch nur ihre Arbeit machten, blieben wir immer freundlich und erfüllten ihnen jeden Wunsch. Wir gaben den beiden Zollbeamten auch bereitwillig alle Informationen, die sie haben wollten, zB. was ihre lateinamerikanischen Kollegen so an Schmiergeld verlangen, hier sind wir gleich wieder mal unsere Cola und Chipssackerl-Geschichte aus Peru losgeworden:-)!
Nach 3 (!!) Stunden ausräumen und suchen, waren wir gerade mal bei der Hälfte angelangt. Anscheinend vertrauten uns die beiden dann ohne die zweite Hälfte unseres Gepäcks gesehen zu haben und halfen uns wieder beim Einräumen. Sie halfen uns dann auch noch bei der Erledigung des Carnet de Passage (letzter Stempel) und so konnten wir dann schließlich doch noch unsere Reise heimwärts antreten.


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Mitten am Ozean scheint die Sonne im Meer zu versinken


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Zum Abschluß gabs noch Sturm und meterhohe Wellen in der Nordsee


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Gegenverkehr auf der Elbe kurz vor Hamburg


Fahrt nach Hause

Über die Autobahn gings Richtung Süden, dann vor Nürnberg noch eine Nacht schlafen und am 25.5. waren wir, nach mehr als 25.000 km Fahrt, wieder auf Heimatboden angelangt.

Martins Eltern erwarteten uns schon nach der Grenze und nach einem freudigen, überschwenglichen Wiedersehen (logisch nach 10 Monaten), gings nach Hause und dann gleich direkt zum Heurigen, um die Eieraufstrich und Schweinsbraten-Reserven wieder aufzufüllen:-)! Diesen Moment haben wir eigentlich erst viel später so richtig realisiert, zuallererst überwiegte bei uns klarerweise die Freude unsere Familien wiederzusehen!


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Nun war uns klar: das Abenteuer ist vorbei und wir waren wieder zuhause!


(Wieder-)Einleben zuhause

Unser Bericht ist an dieser Stelle natürlich noch nicht zu Ende. Wie es uns in den ersten Wochen zuhause ergangen ist, findet Ihr hier (wirklich) in Kürze:-)!

 

 

 

 
     

 

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